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Beziehungsnähe

Lernen erfordert sowohl kognitive als auch emotionale Anstrengung. Damit Schülerinnen und Schüler sich trauen, Herausforderungen anzugehen, mit Rückschlägen umzugehen und sich zu entwickeln, brauchen sie nicht nur Wissen und Strategien, sondern auch das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in die eigene Fähigkeit. Die Forschung zeigt, dass die Beziehungsnähe der Lehrkraft eine wichtige Rolle dabei spielt, diese Voraussetzungen zu schaffen.

Ein zentraler Faktor für Motivation und Leistung der Schülerinnen und Schüler ist ihr Glaube an die eigene Fähigkeit, die sogenannte Selbstwirksamkeit (self-efficacy). Der Begriff bezieht sich auf die Überzeugung der Schülerin oder des Schülers, bei einer bestimmten Aufgabe erfolgreich sein zu können. Die Forschung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler mit hoher Selbstwirksamkeit bessere Leistungen erzielen, sich mehr anstrengen, größere Ausdauer zeigen und sich trauen, herausfordernde Aufgaben anzugehen.

Eine Studie von Basileo und Kolleginnen und Kollegen aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Selbstwirksamkeit einer der stärksten Faktoren hinter schulischen Leistungen sowohl in Mathematik als auch in Sprachen ist. Die Studie zeigt außerdem, dass Motivation und Unterstützung durch die Lehrkraft zu besseren Ergebnissen beitragen, indem sie das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler in die eigene Fähigkeit stärken.

Hier wird die Beziehungsnähe der Lehrkraft besonders bedeutsam. Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass die Lehrkraft sich um sie kümmert, an ihre Fähigkeit glaubt und Unterstützung bietet, wird ihr Selbstvertrauen gestärkt. Sichere Beziehungen erleichtern es den Schülerinnen und Schülern, Fragen zu stellen, Fehler zu machen und weiter zu versuchen, wenn etwas schwierig ist.

Die Forschung zeigt auch, dass Selbstwirksamkeit und Motivation einander verstärken. Schülerinnen und Schüler, die an ihre Fähigkeit glauben, werden motivierter, sich anzustrengen, während zugleich Erfolge ihr Vertrauen in sich selbst stärken. So kann eine positive Spirale entstehen, in der Schülerinnen und Schüler sich trauen zu versuchen, Erfolg haben und sich weiterentwickeln.

Beziehungsnahe Lehrkräfte arbeiten daher bewusst daran, das Kompetenzgefühl der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Das kann durch klare Ziele, angepasste Herausforderungen, sichtbaren Fortschritt und eine Rückmeldung geschehen, die sich auf Strategien, Anstrengung und Entwicklung statt allein auf das Ergebnis konzentriert.

Die Beziehungsnähe der Lehrkraft trägt auch dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler den Unterricht als sinnvoll erleben. Schülerinnen und Schüler engagieren sich mehr, wenn sie den Sinn einer Aufgabe verstehen und sehen, wie sie für sie nützlich oder relevant sein kann. Zugleich kann die Angst vor dem Scheitern oder davor, Fehler zu machen, die Motivation verringern. Indem sie ein sicheres Klassenklima schaffen, in dem Fehler als natürlicher Bestandteil des Lernens gesehen werden, können Lehrkräfte diese Hindernisse verringern.

Insgesamt zeigt die Forschung, dass die Beziehungsnähe der Lehrkraft große Bedeutung sowohl für das Wohlbefinden als auch für das Lernen hat. Wenn Schülerinnen und Schüler sich gesehen, unterstützt und ihnen etwas zugetraut fühlen, werden ihre Motivation, ihr Vertrauen in die eigene Fähigkeit und ihre Bereitschaft, sich in ihrem Lernen zu engagieren, gestärkt.