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Teilhabe und Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler

Lernen erfordert sowohl eine kognitive als auch eine emotionale Anstrengung. Damit Schülerinnen und Schüler sich im Unterricht engagieren, müssen sie nicht nur den Inhalt verstehen, sondern auch erleben, dass sie eine bedeutungsvolle Rolle in ihrem eigenen Lernen haben. Die Forschung zeigt, dass das Gefühl von Autonomie und die Möglichkeit, die eigene Situation zu beeinflussen, wichtige Faktoren für Motivation, Wohlbefinden und schulische Leistungen sind. Wirksame Lehrkräfte arbeiten daher bewusst daran, Unterrichtssituationen zu schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler Mitbestimmung und die Möglichkeit erhalten, an Entscheidungen über ihr Lernen beteiligt zu sein.

Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler bedeutet nicht, dass die Schülerinnen und Schüler selbst alles bestimmen, was im Unterricht geschieht. Vielmehr geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, ihre Gedanken auszudrücken, bestimmte Teile des Unterrichts mitzugestalten und den Sinn der durchgeführten Aktivitäten zu verstehen. Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass ihre Meinungen ernst genommen werden und der Unterricht sinnvoll ist, steigt ihre Motivation, aktiv am Lernen teilzunehmen.

Ein zentraler Faktor in diesem Zusammenhang ist der Glaube an die eigene Fähigkeit. Die Forschung zur Selbstwirksamkeit zeigt, dass Schülerinnen und Schüler, die glauben, eine Aufgabe bewältigen zu können, eher bereit sind, sich anzustrengen, Ausdauer zu zeigen und mit Rückschlägen umzugehen. Wenn Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, Entscheidungen zu treffen, ihre Arbeit zu beeinflussen und zu erleben, dass ihre Ideen wertgeschätzt werden, wird dieses Vertrauen in die eigene Fähigkeit oft gestärkt. Damit steigen auch die Voraussetzungen für ein aktives und engagiertes Lernen.

Die Forschung zeigt, dass die Möglichkeit der Schülerinnen und Schüler, ihre Bildung zu beeinflussen, eine wichtige Rolle sowohl für das Lernen als auch für das Wohlbefinden in der Schule spielt. Eine größere Studie von Jerusha Conner und Kolleginnen und Kollegen untersuchte den Zusammenhang zwischen Mitbestimmung, Engagement und schulischen Ergebnissen bei über 2 000 Schülerinnen und Schülern der Mittel- und Oberstufe. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei der Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler nicht nur um demokratische Werte geht, sondern auch darum, bessere Voraussetzungen für das Lernen zu schaffen.

Die Studie hebt drei besonders wichtige Aspekte der Mitbestimmung hervor. Der erste ist die Aufnahmebereitschaft der Lehrkräfte, also inwieweit die Schülerinnen und Schüler erleben, dass die Lehrkraft bereit ist, auf ihre Ideen und Ansichten zu hören. Der zweite ist die Reaktionsbereitschaft der Lehrkräfte, das heißt, ob die Lehrkraft die Gedanken der Schülerinnen und Schüler tatsächlich aufgreift und sie den Unterricht beeinflussen lässt. Der dritte Aspekt betrifft Wahlmöglichkeiten, bei denen Schülerinnen und Schüler zwischen verschiedenen Arbeitsweisen, Aufgaben oder Möglichkeiten wählen können, ihr Wissen darzustellen.

Ein deutliches Ergebnis der Forschung ist, dass die Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler in einem starken Zusammenhang mit ihrem Engagement in der schulischen Arbeit steht. Wenn Lehrkräfte regelmäßig die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler erfragen und Möglichkeiten schaffen, den Unterricht mitzugestalten, wächst das Gefühl der Teilhabe der Schülerinnen und Schüler. Das führt wiederum dazu, dass sie motivierter und engagierter in ihrem Lernen werden.

Die Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler trägt auch dazu bei, ihr Gefühl von Handlungsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Die Forschung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler, die erleben, dass ihre Stimmen berücksichtigt werden, eine größere Handlungswirksamkeit entwickeln, also das Erleben, ihre Situation beeinflussen zu können. Diese Schülerinnen und Schüler trauen sich häufiger, ihre Ideen auszudrücken, an Diskussionen teilzunehmen und in ihrem Lernen die Initiative zu ergreifen. Sie werden auch eher bereit, zur Entwicklung der gemeinsamen Arbeit der Klasse und der Schule beizutragen.

Damit die Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler eine positive Wirkung entfaltet, muss sie echt und in den Unterricht eingebettet sein. Es reicht nicht, dass Schülerinnen und Schüler ihre Meinungen äußern dürfen, wenn diese nicht ernst genommen werden oder zu keinerlei Reaktion führen. Wirksame Lehrkräfte schaffen daher Strukturen, in denen die Perspektiven der Schülerinnen und Schüler aktiv als Ressource bei der Planung, Durchführung und Auswertung des Unterrichts genutzt werden.

Insgesamt zeigt die Forschung, dass Mitbestimmung und Teilhabe der Schülerinnen und Schüler bedeutsame Faktoren sowohl für das Wohlbefinden als auch für das Lernen sind. Wenn Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, mitzugestalten, Entscheidungen zu treffen und zu erleben, dass ihre Stimmen von Bedeutung sind, werden ihre Motivation, ihr Engagement und ihr Vertrauen in die eigene Fähigkeit gestärkt. Indem sie einen Unterricht schaffen, in dem Schülerinnen und Schüler aktive Beteiligte statt passive Empfängerinnen und Empfänger sind, können Lehrkräfte zu einem sinnvolleren, inklusiveren und nachhaltigeren Lernen beitragen.