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Damit umgehen, wenn es nicht so kommt, wie man wollte

Dass Dinge nicht so laufen wie geplant, ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens, kann aber bei Schülerinnen und Schülern starke Gefühle auslösen. Die Forschung aus der Stress- und Emotionspsychologie zeigt, dass solche Situationen oft eine Form von psychologischem Widerstand bedeuten – eine Kluft zwischen Erwartungen und Wirklichkeit. Wie Schülerinnen und Schüler damit umgehen, hat große Bedeutung sowohl für das Wohlbefinden als auch für das Lernen.

Stress als Reaktion auf enttäuschte Erwartungen

Der Stress- und Coping-Theorie von Lazarus und Folkman zufolge entsteht Stress, wenn der Mensch erlebt, dass eine Situation etwas Wichtiges bedroht – zum Beispiel eine Erwartung, ein Ziel oder einen Plan.

Wenn etwas nicht so kommt wie gedacht, geschieht oft Folgendes:

  • Primäre Bewertung: „Das ist nicht so, wie ich es wollte – das fühlt sich negativ an“
  • Sekundäre Bewertung: „Kann ich etwas dagegen tun?“

Wenn die Schülerin oder der Schüler wenig Kontrolle über die Situation erlebt (z. B. das Wetter oder Entscheidungen anderer), können Gefühle wie Frust, Enttäuschung oder Wut entstehen. Diese Reaktionen sind an sich kein Problem – sie sind ein normaler Teil davon, wie wir auf Hindernisse und Veränderungen reagieren.

Kontrolle haben oder nicht haben – ein zentraler Unterschied

Ein wichtiges Prinzip der Coping-Forschung besteht darin, zu unterscheiden zwischen:

  • dem, was sich beeinflussen lässt (z. B. was ich jetzt tue, wie ich umplane)
  • dem, was sich nicht beeinflussen lässt (z. B. Wetter, Entscheidungen anderer, das, was bereits geschehen ist)

Versuche, das Unkontrollierbare zu kontrollieren, verstärken tendenziell Stress und das Erleben von Widerstand. Dagegen sinkt Stress, wenn der Mensch seine Energie auf das richtet, was sich tatsächlich beeinflussen lässt.

Akzeptanz und psychologische Flexibilität

Die moderne Forschung hebt den Begriff der psychologischen Flexibilität hervor, bei dem es darum geht, sich anpassen zu können, wenn sich Umstände verändern. Ein zentraler Bestandteil davon ist Akzeptanz:

  • anzuerkennen, dass die Situation ist, wie sie ist
  • Gefühle zuzulassen, ohne in ihnen stecken zu bleiben
  • weitermachen zu können, obwohl es nicht so kam, wie man dachte

Akzeptanz bedeutet nicht, die Situation zu mögen, sondern aufzuhören, gegen das anzukämpfen, was sich nicht ändern lässt. Das setzt Energie frei, um stattdessen konstruktiv zu handeln.

Neue Wege finden – Neuorientierung und Problemlösung

Wenn ein Plan nicht funktioniert, muss man sich oft umstellen. Die Forschung zeigt, dass das Folgendes bedeutet:

  • Kognitive Umdeutung: die Situation aus einer weiteren Perspektive zu sehen
  • Problemlösung: alternative Handlungswege zu erkennen
  • Zielflexibilität: Ziele oder Teilziele anpassen zu können

So kann eine ausgefallene Aktivität durch etwas anderes ersetzt werden, das immer noch ein wichtiges Bedürfnis erfüllt (z. B. Gemeinschaft, Erholung oder ein Erlebnis).

Emotionsregulation bei Rückschlägen

Beim Umgang mit Enttäuschung geht es auch um Emotionsregulation – die Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu verstehen und zu beeinflussen. Häufige Strategien, die die Forschung hervorhebt, sind:

  • das Gefühl in Worte zu fassen („Ich bin enttäuscht“)
  • eine Pause zu machen, bevor man reagiert
  • die Aufmerksamkeit auf den nächsten Schritt zu richten statt auf das, was nicht geklappt hat

Diese Strategien helfen der Schülerin oder dem Schüler, nicht in negativen Gefühlen stecken zu bleiben, sondern nach und nach in einen ausgeglicheneren Zustand zurückzukehren.

Widerstand als Teil des Lernens

In der pädagogischen Forschung wird betont, dass Widerstand und Hindernisse nicht nur etwas sind, das man vermeiden sollte – sie sind auch ein zentraler Bestandteil der Entwicklung:

  • Schülerinnen und Schüler üben Ausdauer und Problemlösung
  • sie entwickeln realistische Erwartungen
  • sie lernen, mit Unsicherheit umzugehen

Rückschlägen zu begegnen und mit ihnen umzugehen, ist daher ein wichtiger Bestandteil sowohl des schulischen Lernens als auch der sozioemotionalen Entwicklung.

Pädagogische Konsequenzen

Für Lehrkräfte bedeutet das, dass Schülerinnen und Schüler Unterstützung dabei brauchen können:

  • zu verstehen, dass Enttäuschung und Frust normale Reaktionen sind
  • zwischen dem zu unterscheiden, was sie kontrollieren können und was nicht
  • Akzeptanz zu üben, wenn sich etwas nicht ändern lässt
  • Strategien zu entwickeln, um umzuplanen und Alternativen zu finden
  • ihre Gefühle in Worte zu fassen und zu regulieren

Ein wichtiger Aspekt ist außerdem, eine Haltung vorzuleben, bei der Veränderungen und Hindernisse als bewältigbar statt als bedrohlich gesehen werden. Der Schwerpunkt liegt darauf, Akzeptanz, Flexibilität und Problemlösungsfähigkeit zu entwickeln – Fähigkeiten, die Schülerinnen und Schülern helfen weiterzumachen, wenn es nicht so kommt, wie sie es sich gedacht hatten.