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Gute Beziehungen zu Lehrkräften aufbauen

Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schülerin oder Schüler ist einer der bedeutsamsten Faktoren für das Lernen und das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern in der Schule. Die Forschung zeigt, dass das Klassenzimmer, wenn die Beziehung gut funktioniert, zu einem Ort wird, an dem Schülerinnen und Schüler sich sicher fühlen, was wiederum dazu führt, dass sie sich trauen teilzunehmen, Fragen zu stellen und es auch dann zu versuchen, wenn etwas schwierig ist. So wird die Beziehung nicht nur dafür wichtig, wie es Schülerinnen und Schülern geht, sondern auch dafür, wie sie lernen.

Eine zentrale Perspektive, um dies zu verstehen, ist die Bindungstheorie. Im schulischen Kontext bedeutet das, dass die Lehrkraft eine Art sichere Basis sein kann. Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass die Lehrkraft berechenbar und gerecht ist und ihr Bestes will, verringern sich Unsicherheit und Sorge. Das ermöglicht es der Schülerin oder dem Schüler, mehr Energie auf das eigentliche Lernen zu richten, statt über soziale Risiken nachzudenken, etwa Fehler zu machen oder bewertet zu werden.

Zugleich zeigt die Selbstbestimmungstheorie, dass Beziehungen ein wichtiger Bestandteil der Motivation sind. Eines der grundlegenden psychologischen Bedürfnisse des Menschen ist Zugehörigkeit – sich gesehen und bedeutsam zu fühlen. Wenn Schülerinnen und Schüler erleben, dass die Lehrkraft sich um sie kümmert und ihre Anstrengung wahrnimmt, steigt ihre Bereitschaft, sich zu engagieren. Motivation ist dann nicht nur etwas, das „von innen“ kommt, sondern etwas, das im Zusammenspiel mit der Lehrkraft wächst.

Die Forschung zur relationalen Pädagogik betont außerdem, dass Lernen in Beziehungen geschieht. Es geht nicht nur um den Inhalt des Unterrichts, sondern darum, wie die Kommunikation funktioniert. Eine Schülerin oder ein Schüler, die oder der sich gehört und verstanden fühlt, kann Anweisungen und Rückmeldungen leichter aufnehmen. Ist die Beziehung dagegen gestört, kann selbst eine gut geplante Stunde schwerer aufzunehmen sein.

Zugleich ist es wichtig hervorzuheben, dass die Beziehung ein Zusammenspiel ist. Der sozial-kognitiven Theorie zufolge werden Beziehungen dadurch geformt, wie Menschen einander deuten und aufeinander reagieren. Auch wenn die Lehrkraft die größte Verantwortung trägt, spielt das Verhalten der Schülerin oder des Schülers eine Rolle dafür, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt. Schülerinnen und Schüler beeinflussen die Beziehung dadurch, wie sie:

  • zuhören und aufmerksam sind
  • Fragen stellen, wenn etwas unklar ist
  • sich im Klassenzimmer ausdrücken
  • in verschiedenen Situationen Respekt zeigen

Diese Handlungen beeinflussen wiederum, wie die Lehrkraft der Schülerin oder dem Schüler begegnen kann, was einen wechselseitigen Prozess schafft.

Die Metapher vom Segelboot – Beziehung als Zusammenspiel

Die Metapher vom Segelboot lässt sich im Licht dieser Forschung verstehen.

Die Lehrkraft kann als der Wind gesehen werden – derjenige, der Unterstützung, Richtung und Energie beim Lernen gibt. Die Schülerin oder der Schüler ist das Boot, das diese Hilfe aufnehmen können muss. Damit das Boot vorwärtskommt, muss die Schülerin oder der Schüler „das Segel setzen“, das heißt:

  • zuhören
  • zusammenarbeiten
  • Hilfe annehmen
  • sich trauen zu versuchen

Ist das Segel nicht gesetzt, spielt es keine große Rolle, wie stark der Wind bläst – das Boot steht trotzdem still. Genauso reicht es nicht, dass die Lehrkraft Unterstützung anbietet, wenn die Schülerin oder der Schüler nicht am Zusammenspiel teilnimmt.

Zugleich ist es wichtig, die Richtung in der Metapher zu verdeutlichen: Der Wind bläst nicht, um das Boot zum Kentern zu bringen, sondern um es voranzubringen. In der Forschung entspricht das der Erkenntnis, dass Schülerinnen und Schüler verstehen müssen, dass die Anforderungen, Rückmeldungen und Strukturen der Lehrkraft dazu dienen, ihre Entwicklung zu unterstützen – auch wenn das als herausfordernd erlebt wird.

Eine asymmetrische, aber wechselseitige Beziehung

Die Beziehung zwischen Lehrkraft und Schülerin oder Schüler ist in der Verantwortung nicht gleichrangig. Die Lehrkraft hat die professionelle Verantwortung, den Unterricht zu leiten, Struktur zu schaffen und Beziehungen aufzubauen. Doch die Schülerin oder der Schüler ist nicht passiv, sondern muss nach und nach Fähigkeiten entwickeln, um an der Zusammenarbeit teilnehmen zu können.

Es geht darum:

  • sich zu trauen, um Hilfe zu bitten
  • es erneut zu versuchen, wenn etwas schwierig ist
  • Rückmeldung anzunehmen und zu nutzen

Die Forschung zeigt, dass diese Fähigkeiten nicht immer selbstverständlich sind, sondern etwas, worin Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen, um sie zu entwickeln.

Beziehungen als etwas, das man trainieren kann

Eine wichtige Schlussfolgerung der Forschung ist, dass Beziehungen nicht einfach „entstehen“, sondern sich beeinflussen und entwickeln lassen. Schülerinnen und Schüler können lernen:

  • die Handlungen der Lehrkraft differenzierter zu deuten
  • ihre eigene Rolle im Zusammenspiel zu verstehen
  • auf eine Weise zu handeln, die die Zusammenarbeit stärkt

Wenn das geschieht, verbessern sich oft sowohl Wohlbefinden als auch Lernen. Die Klasse wird zu einer Umgebung, in der sich mehr trauen teilzunehmen, und der Unterricht entfaltet größere Wirkung.

Pädagogische Bedeutung

Für Lehrkräfte bedeutet das, dass relationale Arbeit als Bestandteil des Unterrichts gesehen werden muss und nicht als etwas Nebensächliches. Zugleich kann es wertvoll sein, den Schülerinnen und Schülern sichtbar zu machen, wie die Beziehung als Zusammenspiel funktioniert, bei dem ihr eigenes Handeln eine Rolle spielt.