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Arbeiten können, auch wenn man keine Lust hat

Motivation ist entscheidend für das Lernen von Schülerinnen und Schülern, aber sie ist nicht konstant. Die Forschung aus der Motivationspsychologie zeigt, dass Motivation davon beeinflusst wird, wie Schülerinnen und Schüler Aufgaben, ihre eigenen Fähigkeiten und die soziale Situation deuten. Zwei zentrale Theorien – die Expectancy-Value-Theorie und die Selbstbestimmungstheorie – bieten eine wissenschaftliche Grundlage, um dies zu verstehen.

Expectancy-Value-Theorie: Kann ich das – und ist es das wert?

Der Expectancy-Value-Theorie zufolge wird Motivation von zwei Hauptfaktoren gesteuert:

  • Erwartung (expectancy): Glaubt die Schülerin oder der Schüler, die Aufgabe bewältigen zu können?
  • Wert (value): Wird die Aufgabe als wichtig, interessant oder sinnvoll erlebt?

Motivation entsteht, wenn Schülerinnen und Schüler beides tun:

  • glauben, dass sie eine Chance haben, erfolgreich zu sein
  • erleben, dass die Aufgabe einen Wert hat

Fehlt eines davon, sinkt die Motivation. Zum Beispiel:

  • Eine Aufgabe, die wichtig erscheint, aber zu schwer ist → führt oft zu Sorge oder Vermeidung
  • Eine Aufgabe, die leicht ist, aber keinen Sinn hat → führt zu geringer Anstrengung

Selbstbestimmungstheorie: Innere Antriebe und psychologische Bedürfnisse

Die Selbstbestimmungstheorie betont, dass Motivation von drei grundlegenden psychologischen Bedürfnissen beeinflusst wird:

  • Kompetenz – das Gefühl, Dinge bewältigen zu können
  • Autonomie – das Gefühl, Wahlmöglichkeiten und Einfluss zu haben
  • Zugehörigkeit – das Gefühl, von anderen einbezogen und gesehen zu werden

Wenn diese Bedürfnisse erfüllt werden, steigt die innere Motivation. Werden sie es nicht, droht die Motivation äußerlich zu werden (z. B. Belohnungen oder Anforderungen) oder ganz zu sinken.

Der Heißluftballon – eine Metapher für Motivation

Die Metapher vom Heißluftballon lässt sich im Licht dieser Theorien verstehen:

Wenn die Motivation „steigt“, liegt das oft daran, dass:

  • die Schülerin oder der Schüler die Aufgabe versteht und sich kompetent fühlt (Kompetenz, Erwartung)
  • die Aufgabe sinnvoll oder interessant erscheint (Wert)
  • die Schülerin oder der Schüler Unterstützung und Gemeinschaft erlebt (Zugehörigkeit)
  • die Schülerin oder der Schüler eine Form von Wahl oder Kontrolle erlebt (Autonomie)
  • es äußere Antriebe gibt (Belohnungen), die als Unterstützung wirken können – besonders am Anfang

Wenn die Motivation „sinkt“, fehlt oft einer dieser Bestandteile:

  • geringes Vertrauen in die eigene Fähigkeit
  • unklare oder sinnlose Aufgabe
  • Mangel an sozialer Unterstützung oder Aufmerksamkeit
  • Konkurrenz mit anderen, verlockenderen Aktivitäten

Ohne Lust arbeiten – Selbstregulation und Motivationsstrategien

Eine wichtige Erkenntnis der Forschung ist, dass Motivation nicht zuerst da sein muss. Schülerinnen und Schüler können lernen, trotz geringer Motivation zu handeln, was wiederum oft die Motivation im Nachhinein erhöht.

Dies wird manchmal Selbstregulation genannt und umfasst Strategien wie:

  • Die Schwelle senken: mit einem kleinen Teil der Aufgabe beginnen
  • Struktur schaffen: Zeit und Arbeitsschritte planen
  • Die Aufgabe umdeuten: Sinn oder Bezug zu Zielen finden
  • Äußere Unterstützung nutzen: z. B. Belohnungen, Pausen oder sozialen Zusammenhang

Die Forschung zeigt, dass Handeln der Motivation oft vorausgeht – wenn Schülerinnen und Schüler in Gang kommen, steigen sowohl das Kompetenzgefühl als auch der Wert der Aufgabe.

Lust ist keine Voraussetzung – aber Motivation lässt sich beeinflussen

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Schülerinnen und Schüler Lust empfinden müssen, um arbeiten zu können. In Wirklichkeit:

  • schwankt Motivation von Natur aus
  • haben selbst motivierte Schülerinnen und Schüler manchmal keine Lust
  • erfordert Lernen oft Ausdauer statt eines unmittelbaren Antriebs

Entscheidend ist stattdessen, dass Schülerinnen und Schüler Strategien entwickeln, um:

  • zu verstehen, warum eine Aufgabe wichtig ist
  • trotz Widerstand in Gang zu kommen
  • die Konzentration über die Zeit aufrechtzuerhalten

Pädagogische Konsequenzen

Für Lehrkräfte bedeutet das, dass der Unterricht Motivation unterstützen kann, indem er:

  • Ziele und Sinn verdeutlicht (Wert erhöhen)
  • den Schwierigkeitsgrad anpasst und Rückmeldung gibt (Kompetenz stärken)
  • Wahlmöglichkeiten bietet (Autonomie erhöhen)
  • ein unterstützendes Klassenklima schafft (Zugehörigkeit)
  • konkrete Strategien vermittelt, um in Gang zu kommen und an der Arbeit dranzubleiben