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Gute Beziehungen zu Mitschülerinnen und Mitschülern aufbauen

Beziehungen im Klassenzimmer sind ein zentraler Bestandteil der Entwicklung und des Lernens von Schülerinnen und Schülern. Die Forschung zeigt, dass eine positive soziale Umgebung nicht nur das Wohlbefinden beeinflusst, sondern auch Motivation, Engagement und schulische Leistung. Gute Beziehungen zu entwickeln, ist daher eine wichtige Fähigkeit, die sich trainieren lässt.

Sozial-kognitive Theorie – sich selbst und andere verstehen

Der sozial-kognitiven Theorie zufolge (Bandura) wird das Verhalten von Menschen im Zusammenspiel von Individuum, Verhalten und Umgebung geformt. Im Klassenzimmer bedeutet das:

  • Schülerinnen und Schüler lernen, wie man eine gute Kameradin oder ein guter Kamerad ist, indem sie andere beobachten
  • sie werden von Normen und Erwartungen in der Gruppe beeinflusst
  • sie entwickeln Vertrauen in ihre eigene soziale Fähigkeit (self-efficacy)

Wie Schülerinnen und Schüler soziale Situationen deuten, beeinflusst ihr Handeln. Eine Schülerin oder ein Schüler, die oder der andere als wohlwollend wahrnimmt, handelt meist offener und prosozialer als jemand, der Situationen als abweisend deutet.

Soziale Kognition und „Theory of Mind“

Bei sozialer Kognition geht es darum, wie wir andere Menschen wahrnehmen, deuten und verstehen. Ein zentraler Bestandteil ist die Theory of Mind – die Fähigkeit zu verstehen, dass andere eigene Gedanken, Gefühle und Perspektiven haben.

In der Praxis bedeutet das, dass Schülerinnen und Schüler in der Lage sein müssen:

  • die Signale anderer zu deuten (z. B. Körpersprache und Tonfall)
  • zu verstehen, dass verschiedene Personen dieselbe Situation unterschiedlich erleben können
  • ihr Verhalten je nach Zusammenhang anzupassen

Diese Fähigkeit ist entscheidend, um funktionierende Beziehungen aufzubauen und Missverständnisse zu vermeiden.

Prosoziales Verhalten – zum Wohlbefinden der Gruppe beitragen

Die Forschung zu prosozialem Verhalten (z. B. Eisenberg) zeigt, dass Handlungen wie Helfen, Einbeziehen und Fürsorge Beziehungen und Gruppenklima stärken.

Im Klassenzimmer geht es dabei um kleine, aber bedeutsame Handlungen:

  • jemanden einzuladen, mitzumachen
  • zusammenzuarbeiten und zu helfen
  • in alltäglichen Situationen Respekt zu zeigen

Diese Verhaltensweisen schaffen eine positive Spirale, in der Freundlichkeit dazu neigt, weitere Freundlichkeit zu verstärken.

Die Metapher vom Garten – eine relationale Perspektive

Die Metapher vom Garten spiegelt eine wichtige forschungsbasierte Perspektive wider:

  • Beziehungen brauchen kontinuierliche Pflege – genau wie Pflanzen
  • Verschiedene Beziehungen erfüllen verschiedene Funktionen
  • Jeder Mensch trägt zum Ganzen bei

Eine funktionierende Klassengemeinschaft beruht nicht darauf, dass alle enge Freundinnen und Freunde sind, sondern darauf, dass alle Beziehungen von Respekt und grundlegender Fürsorge geprägt sind.

Vielfalt in Beziehungen – normal und funktional

Die Forschung zeigt, dass es natürlich ist, dass Schülerinnen und Schüler verschiedene Arten von Beziehungen haben:

  • enge Freundschaftsbeziehungen
  • Arbeitsbeziehungen
  • eher oberflächliche soziale Kontakte

Wichtig ist nicht, dass alle Beziehungen gleich stark sind, sondern dass Schülerinnen und Schüler mit ihnen auf funktionierende Weise umgehen können. Eine sichere Klasse zeichnet sich dadurch aus, dass auch die schwächeren Beziehungen von Respekt und Einbeziehung geprägt sind.

Gruppenklima und Zugehörigkeit

Das Gefühl von Zugehörigkeit ist ein zentraler Faktor sowohl für das Wohlbefinden als auch für das Lernen. Wenn Schülerinnen und Schüler sich akzeptiert fühlen:

  • steigen ihre Teilnahme und ihr Engagement
  • verringern sich soziale Sorge und Stress
  • verbessern sich ihre schulischen Ergebnisse

Ein positives Gruppenklima entsteht durch gemeinsame Normen, in denen Einbeziehung und Respekt hoch geschätzt werden.

Beziehungen als trainierbare Fähigkeit

Relationale Fähigkeiten sind nicht nur Persönlichkeit – sie lassen sich entwickeln. Die Forschung zeigt, dass Schülerinnen und Schüler üben können:

  • soziale Situationen differenzierter zu deuten
  • klarer und respektvoller zu kommunizieren
  • Empathie und Perspektivübernahme zu zeigen
  • Konflikte auf konstruktive Weise zu bewältigen

Das sind zentrale Bestandteile des sozioemotionalen Lernens (SEL).

Pädagogische Konsequenzen

Für Lehrkräfte bedeutet das, dass Schülerinnen und Schüler Unterstützung dabei brauchen können:

  • zu verstehen, wie ihr Verhalten andere beeinflusst
  • die Fähigkeit zu entwickeln, die Perspektive anderer einzunehmen
  • konkrete prosoziale Handlungen zu üben
  • einbeziehende Normen in der Klasse zu schaffen und aufrechtzuerhalten
  • den Wert verschiedener Arten von Beziehungen zu erkennen

Die Lehrkraft hat außerdem eine wichtige Rolle als Vorbild dafür, wie man anderen begegnet. Der Schwerpunkt liegt darauf, soziales Verständnis, Empathie und konkrete Strategien zu entwickeln, um zu einem einbeziehenden Klassenklima beizutragen.