Mitbestimmung der Schüler
Die Forschung zeigt, dass die Möglichkeit der Schüler, ihre Bildung mitzugestalten – die sogenannte Mitbestimmung der Schüler – eine wichtige Rolle für Lernen und Wohlbefinden in der Klasse spielt. Mitbestimmung bedeutet, dass Lehrkräfte Arbeitsweisen und Strategien nutzen, die den Schülern die Möglichkeit geben, das mitzugestalten, was den Unterricht betrifft, etwa Inhalte, Arbeitsweisen und Entscheidungen im Klassenzimmer. Der Ausgangspunkt ist einfach: Schüler verfügen über wertvolles Wissen über ihre eigene Schullaufbahn und sollten sie daher mitgestalten dürfen.
Eine größere Studie der Forscherin Jerusha Conner und Kollegen aus dem Jahr 2018 untersuchte, wie verschiedene Formen der Mitbestimmung mit dem Engagement und den Leistungen der Schüler in der Schule zusammenhängen. Gut 2000 Schüler aus der Sekundarstufe I und II nahmen teil.
Drei wichtige Bestandteile der Mitbestimmung
Die Studie hebt insbesondere drei zentrale Aspekte hervor:
- Empfänglichkeit der Lehrkraft – in welchem Maße die Schüler erleben, dass die Lehrkraft bereit ist, ihren Ideen zuzuhören.
- Reaktionsbereitschaft der Lehrkraft – ob die Lehrkraft die Anregungen der Schüler tatsächlich aufgreift und Änderungen vornimmt.
- Wahlmöglichkeiten – ob die Schüler zwischen verschiedenen Aufgaben, Arbeitsweisen oder Inhalten wählen dürfen.
Mehr Engagement, wenn Schüler mitgestalten dürfen
Ein klares Ergebnis war, dass die Mitbestimmung der Schüler stark mit ihrem Engagement bei der Schularbeit zusammenhängt. Je häufiger Lehrkräfte nach den Gedanken und Meinungen der Schüler fragten, desto engagierter erlebten sich die Schüler.
Schüler werden aktiver
Die Studie zeigte außerdem, dass Schüler, die einen Unterricht erleben, in dem ihre Stimme zählt, eine größere Selbstwirksamkeit entwickeln – also das Gefühl, etwas bewirken zu können. Diese Schüler trauen sich eher, ihre Ideen zu äußern, an Diskussionen teilzunehmen und zur Entwicklung der Schule beizutragen.
Zusammenhang mit Anwesenheit und Leistungen
Die Mitbestimmung hing auch mit geringeren Fehlzeiten zusammen, auch wenn dieser Zusammenhang etwas schwächer wurde, als die Forscher andere Faktoren berücksichtigten. Die Ergebnisse deuten dennoch darauf hin, dass Schüler, die sich gehört fühlen, häufiger in der Schule sind.
Das Wichtigste: gehört zu werden
Der interessanteste Befund betraf die Empfänglichkeit der Lehrkraft. Schüler, die erlebten, dass ihre Lehrkräfte offen für ihre Gedanken und Ideen waren, zeigten:
- höheres Engagement
- größere Selbstwirksamkeit
- bessere Noten, insbesondere in Mathematik und Englisch
- insgesamt höhere Noten
- geringere Fehlzeiten
Die Empfänglichkeit erwies sich als wichtiger als sowohl die Wahlmöglichkeit als auch die Häufigkeit, mit der die Lehrkraft Änderungen vornimmt. Es scheint also, dass das Erleben, gehört zu werden, an sich entscheidend ist.
Was bedeutet das in der Praxis?
Zusammenfassend zeigt die Forschung, dass Mitbestimmung nicht nur eine Frage der Demokratie ist, sondern auch ein wichtiges pädagogisches Werkzeug. Wenn Lehrkräfte ihren Schülern aktiv zuhören und ihre Perspektiven ernst nehmen, werden Engagement, Teilhabe und in gewissem Maße auch die Schulleistungen gestärkt.
Diese Art von Forschung liegt zusammen mit anderen Studien der Entwicklung von Pomelo zugrunde, das darauf abzielt, die Teilhabe der Schüler am Unterricht zu stärken.
Conner, J., Mitra, D. L., Holquist, S. E., & Boat, A. (2018). How teachers' student voice practices affect student engagement and achievement: Exploring choice, receptivity, and responsiveness to student voice as moderators. Journal of Educational Psychology, 110(7), 1231–1246.