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Motivation

Die Expectancy-Value-Theorie beschreibt, wie die Motivation von Schülerinnen und Schülern davon beeinflusst wird, wie sie Nutzen und Kosten im Zusammenhang mit einer Aufgabe wahrnehmen. Mit anderen Worten stellen sich Schülerinnen und Schüler, oft unbewusst, Fragen wie:

  • Werde ich das schaffen?
  • Ist es das wert?

Die Forscher Allan Wigfield, Stephen M. Tonks und Susan L. Klauda erstellten 2016 eine Zusammenschau der Forschung auf Grundlage dieser Theorie. Im Folgenden werden relevante Erkenntnisse aus dieser Zusammenschau dargestellt.

Was beeinflusst die Motivation?

Die Motivation von Schülerinnen und Schülern hängt von drei zentralen Faktoren ab:

  1. Der Glaube an die eigene Fähigkeit – wenn eine Schülerin oder ein Schüler glaubt, die Aufgabe bewältigen zu können, steigt die Motivation. Im Klassenzimmer kann das zum Beispiel bedeuten, dass eine Schülerin, die sich im Englischen sicher fühlt, sich mehr zu sprechen traut, während ein Schüler, der in Mathematik oft scheitert, leicht aufgibt.
  2. Was die Schülerin oder der Schüler glaubt, dass die Aufgabe verlangt – wenn die Aufgabe als zu schwer oder unklar erlebt wird, sinkt die Motivation. Gedanken wie „Das scheint zu schwer – ich versuche es gar nicht erst“ oder „Ich weiß nicht, was ich tun soll“ führen dazu, dass die Schülerin oder der Schüler sich zurückzieht.
  3. Wie wertvoll die Aufgabe erscheint – eine Aufgabe wird als wertvoller erlebt, wenn sie zum Beispiel:
    • in der Zukunft nützlich erscheint
    • zu guten Noten beiträgt
    • zum Selbstbild der Schülerin oder des Schülers passt
    • Spaß macht oder interessant ist.

Das kann zum Beispiel bedeuten, dass eine Schülerin sich stärker im Englischen engagiert, weil sie reisen möchte, dass sich ein anderer anstrengt, um gute Noten zu erreichen, oder dass ein Dritter mehr arbeitet, weil die Aufgabe kreativ ist.

Aber es gibt auch Kosten

Schülerinnen und Schüler wägen nicht nur die Vorteile gegeneinander ab – sie bedenken auch, was es kostet, sich anzustrengen. Das kann Zeit, Gefühle oder Energie betreffen. So kann eine Schülerin darauf verzichten, laut Englisch zu sprechen, aus Angst, Fehler zu machen, eine schwierige Aufgabe überspringen, um Stress zu vermeiden, oder eine einfachere Aufgabe wählen, um Energie zu sparen.

Zusammenfassung

Motivation ist eine Frage des Gleichgewichts zwischen zwei Fragen:

  • Ist das das wert?
  • Schaffe ich das?

Wenn der Nutzen als größer erlebt wird als die Kosten, steigt die Motivation. Die auf der Expectancy-Value-Theorie beruhende Forschung hilft uns zu verstehen, wie Schülerinnen und Schüler in Lernsituationen denken – etwa beim Sprachenlernen – und warum das Engagement im Laufe der Zeit schwanken kann.


Wigfield, A., Tonks, S. M., & Klauda, S. L. (2016). Expectancy-value theory. In K. R. Wentzel & D. B. Miele (Hrsg.), Handbook of motivation at school (2. Aufl.). Routledge.