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Die Selbstwirksamkeit von Schülerinnen und Schülern

Einer der wichtigsten Faktoren für das Lernen von Schülerinnen und Schülern ist nicht nur, was sie können – sondern was sie glauben, können zu können. Diese Überzeugung nennt man Selbstwirksamkeit (self-efficacy), und es geht um die eigene Gewissheit der Schülerin oder des Schülers: „Das schaffe ich.“

Der Begriff stammt aus der sozial-kognitiven Theorie und beschreibt, wie Menschen ihre eigene Fähigkeit einschätzen, bei bestimmten Aufgaben erfolgreich zu sein. Es geht also nicht um die tatsächliche Fähigkeit, sondern um die wahrgenommene Fähigkeit. Eine Schülerin oder ein Schüler kann über gute Kenntnisse verfügen und trotzdem schlechter abschneiden, wenn das Vertrauen in die eigene Fähigkeit gering ist – und umgekehrt.

Warum ist Selbstwirksamkeit so wichtig?

Die Forschung ist sich einig: Schülerinnen und Schüler mit hoher Selbstwirksamkeit

  • erzielen bessere schulische Leistungen
  • strengen sich mehr an
  • geben bei Schwierigkeiten nicht so leicht auf
  • trauen sich an herausfordernde Aufgaben heran

Eine größere Studie von Basileo und Kolleginnen und Kollegen aus dem Jahr 2024 zeigt, dass Selbstwirksamkeit der einzeln stärkste Faktor für schulische Leistungen sowohl in Mathematik als auch in Sprachen ist. Sie hatte größere Bedeutung als sowohl die Motivation als auch die Unterstützung der Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkraft.

Das Interessante ist, dass viele andere Faktoren die Ergebnisse über die Selbstwirksamkeit beeinflussen. Zum Beispiel:

  • Schülerinnen und Schüler, die sich motiviert fühlen, entwickeln oft eine höhere Selbstwirksamkeit
  • Schülerinnen und Schüler, die Unterstützung von ihren Lehrkräften erhalten, stärken das Vertrauen in ihre Fähigkeit
  • Die gestiegene Selbstwirksamkeit führt ihrerseits zu besseren Leistungen

Die Selbstwirksamkeit wirkt also als eine Art Motor des Lernens – ein zentraler Mechanismus, der beeinflusst, wie Schülerinnen und Schüler in Schulsituationen denken, fühlen und handeln.

Eine positive Spirale

Die Forschung zeigt außerdem, dass Selbstwirksamkeit und Motivation einander verstärken. Schülerinnen und Schüler, die an ihre Fähigkeit glauben, werden motivierter, und motivierte Schülerinnen und Schüler bauen ein stärkeres Vertrauen in sich selbst auf.

So entsteht eine positive Spirale:

Ich habe Erfolg → ich glaube mehr an mich selbst → ich traue mich zu versuchen → ich habe wieder Erfolg

Aber das Gegenteil kann ebenfalls entstehen, wenn die Selbstwirksamkeit gering ist:

Ich zweifle → ich strenge mich weniger an → ich scheitere → ich zweifle noch mehr

Deshalb wird die Arbeit an der Selbstwirksamkeit in der Schule besonders wichtig.

Wie können Lehrkräfte die Selbstwirksamkeit von Schülerinnen und Schülern stärken?

Die Forschung nennt mehrere konkrete Wege, auf denen Lehrkräfte arbeiten können:

1. Erfolgserlebnisse schaffen

Der wichtigste Weg, Selbstwirksamkeit aufzubauen, besteht darin, dass Schülerinnen und Schüler erleben, dass sie Aufgaben bewältigen.

  • Den Schwierigkeitsgrad anpassen
  • Klare Ziele setzen
  • Fortschritte sichtbar machen

2. Rückmeldung geben, die die Fähigkeit stärkt

Rückmeldung sollte sich auf Anstrengung, Strategie und Entwicklung konzentrieren – nicht nur auf das Ergebnis.

  • „Du hast es gelöst, indem du mehrere Strategien ausprobiert hast“
  • „Deine Ausdauer hat den Unterschied gemacht“

3. Den Lernprozess sichtbar machen

Wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, wie Lernen abläuft, wächst ihr Gefühl von Kontrolle und Kompetenz.

4. Schülerinnen und Schülern Mitbestimmung geben

Wenn Schülerinnen und Schüler Entscheidungen treffen und den Unterricht mitgestalten dürfen, wird ihr Gefühl von Autonomie gestärkt, was wiederum Selbstwirksamkeit aufbaut.

5. Beziehungen und Sicherheit aufbauen

Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Unterstützung durch die Lehrkraft führt dazu, dass Schülerinnen und Schüler sich trauen, etwas zu versuchen und beim Lernen Risiken einzugehen.

6. Schwierigkeiten vorleben und normalisieren

Zeigen Sie, dass es normal ist, Fehler zu machen, und dass Entwicklung Zeit braucht.

Was bedeutet das in der Praxis?

Zusammenfassend zeigt die Forschung, dass Selbstwirksamkeit ein Schlüssel zum Lernen von Schülerinnen und Schülern ist. Es reicht nicht, Inhalte zu vermitteln – Schülerinnen und Schüler müssen auch einen starken Glauben daran entwickeln, dass sie erfolgreich sein können. Für den Unterricht bedeutet das einen deutlichen Wandel: weg davon, sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, was Schülerinnen und Schüler tun, hin dazu, auch daran zu arbeiten, wie Schülerinnen und Schüler ihre eigene Fähigkeit sehen.


Basileo, L. D., Otto, B., Lyons, M., Vannini, N., & Toth, M. D. (2024). The role of self-efficacy, motivation, and perceived support of students' basic psychological needs in academic achievement. Frontiers in Education, 9:1385442. https://doi.org/10.3389/feduc.2024.1385442