Wirksame Rückmeldung
Die Forschung zeigt, dass Rückmeldung einer der wirkungsvollsten Faktoren für Lernen und Entwicklung ist, aber auch, dass ihre Wirkung vollständig davon abhängt, wie sie gestaltet und eingesetzt wird. Bei wirksamer Rückmeldung geht es nicht darum, einer Schülerin oder einem Schüler mitzuteilen, dass etwas richtig oder falsch ist, sondern darum, das Verständnis zu unterstützen und den Weg nach vorn aufzuzeigen.
Eine zentrale Erkenntnis aus der Forschung ist, dass Rückmeldung vorwärtsgerichtet sein muss. Sie sollte der Schülerin oder dem Schüler helfen zu verstehen, wo sie oder er im Verhältnis zu einem Ziel steht, wie es bisher gelaufen ist und was der nächste Schritt sein kann. Wenn die Rückmeldung diese Richtung verdeutlicht, steigt die Chance, dass sich die Schülerin oder der Schüler weiterentwickelt.
Wirksame Rückmeldung konzentriert sich in erster Linie auf Prozesse und Strategien und nicht auf die Person. Das bedeutet, dass sie sich darauf richtet, was die Schülerin oder der Schüler tut und wie sie oder er denkt, und nicht darauf, wer die Schülerin oder der Schüler ist. Wenn Schülerinnen und Schüler Rückmeldung zu ihren Handlungen und Entscheidungen erhalten, fällt es ihnen leichter, ihr Verhalten zu verändern und zu verbessern. Das ist besonders wichtig bei der Arbeit an sozioemotionalen Fähigkeiten, bei der es darauf ankommt, wie man im Verhältnis zu sich selbst und zu anderen handelt.
Die Forschung betont außerdem, wie wichtig es ist, dass Rückmeldung verständlich und anwendbar wird. Ist sie zu allgemein, zu unklar oder ohne Bezug zu den eigenen Erfahrungen der Schülerin oder des Schülers, droht sie wirkungslos zu bleiben. Rückmeldung muss daher konkret sein und an Situationen anknüpfen, die die Schülerin oder der Schüler wiedererkennt.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist, dass auf Rückmeldung Zeit für Reflexion und Verarbeitung folgen muss. Lernen geschieht nicht in dem Moment, in dem die Rückmeldung gegeben wird, sondern wenn die Schülerin oder der Schüler die Möglichkeit erhält, über sie nachzudenken und sie im weiteren Handeln zu nutzen. Hier spielen sowohl die eigene Reflexion als auch die gemeinsame Reflexion eine wichtige Rolle. Indem man seine Gedanken formuliert und mit anderen bespricht, vertieft sich das Verständnis und die Rückmeldung wird bedeutungsvoll.
Auch der Dialog wird als ein zentraler Bestandteil wirksamer Rückmeldung hervorgehoben. Wenn Rückmeldung in Form eines Gesprächs erfolgt und nicht als Einwegkommunikation, werden Schülerinnen und Schüler zu aktiven Beteiligten ihres eigenen Lernens. Sie erhalten die Möglichkeit, Fragen zu stellen, zu deuten und neue Denk- und Handlungsweisen zu erproben.
Schließlich zeigt die Forschung, dass wirksame Rückmeldung dazu beiträgt, Motivation und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Wenn Schülerinnen und Schüler verstehen, was sie gut machen und was sie weiterentwickeln können, und erleben, dass sie ihr Lernen beeinflussen können, wachsen ihr Engagement und ihre Ausdauer.
Insgesamt zeichnet sich wirksame Rückmeldung dadurch aus, dass sie klar, vorwärtsgerichtet und prozessunterstützend ist und in die eigene Reflexion der Schülerin oder des Schülers sowie in den Dialog mit anderen eingebettet ist. In diesem Zusammenspiel entfaltet Rückmeldung ihre größte Bedeutung für Lernen und Entwicklung.
Hattie, J. (2009). Visible learning: A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievement. Routledge.
Shute, V. J. (2008). Focus on formative feedback. Review of Educational Research, 78(1), 153–189. https://doi.org/10.3102/0034654307313795