Mitgefühl
Stellen Sie sich eine Schülerin vor, die nach einer misslungenen Klassenarbeit still dasitzt. Ein Mitschüler bemerkt es. Was geschieht dann? Wir können vorbeigehen. Wir können denken: „Sie muss eben mehr lernen.“ Oder wir können innehalten und denken: „Das scheint schwer für sie zu sein. Ob ich etwas tun kann?“
Die dritte Möglichkeit ist ein Beispiel für Mitgefühl.
Was sagt die Forschung über Mitgefühl?
Mitgefühl bedeutet, wahrzunehmen, dass jemand es schwer hat, die Situation verstehen zu wollen und den Willen zu haben, dazu beizutragen, dass es besser wird. Es ist also mehr als Empathie zu empfinden. Mitgefühl enthält auch eine Motivation zu helfen.
Das Interessante daran ist, dass Mitgefühl offenbar nicht nur für denjenigen gut ist, der Unterstützung erhält. Die Forschung zeigt, dass es auch für denjenigen bedeutsam sein kann, der Mitgefühl zeigt.
Eine große Metaanalyse aus dem Jahr 2025, die 37 Studien und 54 Effektstärken zusammenfasste, fand einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen Mitgefühl für andere und Wohlbefinden. Der Zusammenhang betraf unter anderem psychologisches und soziales Wohlbefinden sowie positive Gefühle.
Das bedeutet nicht, dass wir sagen können, Mitgefühl führe automatisch zu besserem Wohlbefinden. Ein großer Teil der Forschung zeigt Zusammenhänge, und die Forschenden fordern weitere Studien, die mehr über Ursache und Wirkung aussagen können. Die Studien, die Trainings im Bereich Mitgefühl untersucht haben, liefern jedoch vielversprechende Ergebnisse.
Mitgefühl in den kleinen Situationen
Was könnte das für die Schule bedeuten? Vielleicht, dass Mitgefühl in den kleinen Situationen geübt werden kann.
Zu bemerken, wenn jemand es schwer zu haben scheint.
Zu versuchen zu verstehen, bevor wir urteilen.
Zu fragen „Wie geht es dir?“, statt sofort mit einer Lösung zu kommen.
Sich zu trauen zu helfen, auch wenn es nur um etwas Kleines geht.
Es müssen keine großen Maßnahmen sein. Mitgefühl kann in einem Gespräch im Flur liegen, darin, wie wir mit einem Mitschüler sprechen, der sich blamiert hat, oder darin, wie eine Lehrkraft einem Schüler begegnet, der gerade einen schlechten Tag hatte.
Und vielleicht macht gerade das Mitgefühl in der Schule so interessant: Es zeigt sich darin, wie wir zu handeln wählen, wenn wir sehen, dass jemand anderes es schwer hat.
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Zhuniq, M., Winter, F., & Aguilar-Raab, C. (2025). Compassion for others and well-being: A meta-analysis. Scientific Reports, 15, Article 36478. https://doi.org/10.1038/s41598-025-23460-7
Gilbert, P. (2020). Compassion: From its evolution to a psychotherapy. Frontiers in Psychology, 11, Article 586161. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.586161